Mohn
Guasch und Öl auf Leinwand, 70 cm x 140 cm, Diptychon,
August 2003
Feurig schlägt einem die Mohnblüte entgegen, doch will der
Mensch Besitz von ihr
er-greifen, so welkt sie alsgleich wie eine zarte
Kerzenflamme im Zugwind erlöscht.
Der Mohn gedeiht zwischen saftigem Grün der Wiesen und
auf kargen, harten Böden in der Sommerhitze – und ist
dennoch so verletzlich. Freude an dieser Blume hat nur
anhaltend der, der ihr mit Respekt auf ihre Eigenwilligkeiten
begegnet. Sie nicht pflückt. Sie allein als Bild aufnimmt.
So wie ein Mensch nicht zu pflücken und zur Eigenfreude in
die Vase zu stellen ist. Dennoch versuchen es viele
Menschen. Und sie versuchen es immer und immer wieder,
ihre Lebenspartner wie Blumen in einer Vase zu halten, um
sich an ihnen zu erfreuen. Und sie glauben, sie tun etwas
Gutes. Um so größer das Unverständnis, wenn ihre
gutgemeinte Sorge in einer Katastrophe endet. Und oft
bemerken und verstehen es die Beteiligten selbst nicht
einmal, was sie da taten.
Ansich ist es eine grauenvolle Sitte, Blumen, die erblühen,
worauf sie sich monatelang vorbereitet haben, um
Nachkommen zu zeugen und als Samen zu erschaffen, ihrer
Fortpflanzungsorgane zu ermächtigen und sie auf einen
Tisch zu stellen.
Die Vorstellung, die Blumen bekämen die Herrrschaft über
den Menschen und sie pflückten seine Geschlechtsorgane
und stellten diese in eine Vase. In eine „Vase“!
An dieser Umdrehung der Verhältnisse sollte die Perversität
jener menschlichen Handlung ersichtlich sein. Auch dazu
malte ich ein menschengroßes Bild, welches ich nicht hier
ins Internet stellte. In meinem Atelier ist es zu besichtigen.
Mit einem herzlichen Gruß
Andreas Klatt